Karussell

Die beiden Berner Lo & Leduc rappen

Lug es haltet nümme a, lad üs nie la galoppiere, nei es haltet üs uf Trab / alles treit uf de Stell / Karussell

Schau es hält nicht mehr, lässt uns nie galoppieren, nein es hält uns auf Trab / alles dreht auf der Stelle / Karussell.

Aber der Reihe nach

Der vom Gericht festgelegte Termin zur Abgabe des Bootes am 18. September kam, wie das Termine so an sich haben, unaufhaltsam näher. Kees Cornelissen schrieb uns dann auch am 12. September: «Indien U de vooroplevering frustreert zal de oplevering dus vertraging oplopen.» Oder zu Deutsch: „Wenn Sie die Vorlieferung vereiteln, wird sich die Lieferung verzögern.»

Verzögerung? Jetzt plötzlich wegen uns? Auf gar keinen Fall. 

1400 km hin und zurück

Wir pilgerten also einmal mehr mit unseren, mittlerweile 5 Vierbeinern nach Holland: 700 km hin und 700 km zurück. 

Raffi Raffzahn, Chico, Wilson, Madox und Nemo bei der Apfelernte

Wir hatten Glück, denn unser sehr gemütliches Ferienhäuschen direkt in Heerewaarden war kurzfristig noch frei. Mittlerweile sind wir mit der Landlady Gabriëlle schon fast befreundet. Sie verwöhnt uns nach Strich und Faden. Vielleicht hat sie auch etwas Mitleid mit uns.

Gabriëlle van de Laak ist eine anerkannte Niederländische Künstlerin und wir hatten das Privileg, in ihrem Atelier ihre Bilder anschauen zu dürfen. Das war der Lichtblick unseres Besuches.

Gabriëlle van de Laak in ihrem Atelier in Heerewaarden

Der Besuch auf der Werft

Meine Cousine, die bei unseren Werftbesuchen öfters dabei war, bot an mitzukommen, worüber wir ganz froh waren; wir waren pünktlich um 10 Uhr da. Cornelissen erwartete uns mit seinem Sohn Jim. Er, Cornelissen, hätte keine Lust mehr, sich mit uns zu bemühen, weshalb er den unabhängigen Makler und Schiffsexperten Jim beauftragt habe, die Vorinspektion mit uns durchzuführen. Jim werde uns ab jetzt beim Fertigbau begleiten.

Das Schiff könne am Samstag ins Wasser gelegt werden. Wir müssten es heute jedoch abnehmen und vorher noch alle Rechnungen bezahlen.

Waren wir etwa zu voreilig gewesen und das Schiff war tatsächlich fertig? Honi soit qui mal y pense.

Allerdings . . . nicht wir, sondern ausschliesslich der durch uns beauftragte Experte Guido Beekmann, könnte das Schiff abnehmen und auch nur, sobald es – wie gerichtlich angeordnet – im Wasser liegt. Guido war aber so kurzfristig nicht abkömmlich, also erstmal den Fortschritt mit eigenen Augen sehen, bevor wir Expertenkosten generieren.

Ein Karussell dreht sich aber nunmal im Kreis. Hier ein paar wenige Impressionen des Bootes, das vier Tage nach diesen Aufnahmen zu Wasser hätte gelassen werden können.

Bestellt: 24 Solarpanel • Verrechnet: 24 Solarpanel • Vorhanden: 18 Solarpanel
Scheibenwischer und Kittfugen bei den Fenstern fehlen noch
Wo ist denn der Mast?
Wo ist denn das Loch für das Heckstrahlruder? Und wo ist das Heckstrahlruder?

Jim Cornelissen war über das „fertige Schiff“ genau so verblüfft wie wir. Zu Beginn sagte er: «Das dauert mindestens noch zwei Wochen, bis das Boot ins Wasser kann». Als wir ganz durch waren, hatte sich seine Prognose auf „mindestens 4 Wochen“ erhöht. Die Handwerker waren ganz entsetzt, als sie hörten, das Schiff könnte vier Tage später ins Wasser kommen. 

Der Zimmermann, fragte am Schluss noch kurz, ob wir mit ihm gemeinsam bestimmen könnten, wo die Toilettenbürsten, Seifenspender und Papierhalter angebracht werden sollen. Das war nett. Das haben wir gemacht.

Wir konnten Cornelissen die Frage, warum er uns jetzt zum zweiten Mal, mit dem Versprechen das Boot sei fertig, vergebens nach Holland bestellt habe, nicht ersparen. Er sah uns in die Augen und sagte: «Das Boot ist fertig; es kann ins Wasser». Und er gab uns noch einen Stapel Rechnungen für «Mehrarbeiten» mit.

Kaum in unserem «Unique place on the river Waal» angekommen, erwartete uns die Kopie einer E-Mail von Cornelissen an unseren Anwalt. Sie besagte, wir hätten uns geweigert, das Boot abzunehmen, seien nur darauf herum spaziert und hätten ebenfalls verweigert, die Checkliste der Werft durchzugehen.

Obwohl hier ein Eingang um 9.26 Uhr angezeigt wird, betätigt unser Provider, das Mail sei um 12.45 Uhr eingetroffen.

Zum Glück war Jim dabei, der selber sagte, es gäbe nichts abzunehmen, so lange alles noch dermassen im Bau sei.

Noch viel perplexer waren wir am Morgen darauf, als uns noch vor dem Frühstück eine um 4.54 Uhr von Cornelissen abgeschickte E-Mail im Postfach erwartete. Wir hätten beim Zimmermann Änderungen bestellt, die rund 100 Mann/Stunden ausmachten und nun zum wiederholten Mal alle Einteilungen, unter anderem die des Dashboards, vollkommen auf den Kopf gestellt. Wir seien deshalb an allen Lieferverzögerung absolut selber schuld. 

Gemeint ist das Dashboard, wo die Navigationsapparate noch nicht vollzählig waren.

3 WC-Bürsten, 4 Seifenspender und 3 Papierrollenhalter aufhängen = 100 Mann/Stunden. 

Das Dashboard. Keine Einteilung möglich, da Navigationsinstrumente nicht vollzählig vorhanden waren. Und bevor sich jemand wundert. . . Ja, wir hatten das Steuerpult breiter bestellt. . . .

Mehrarbeiten Interieur plus 100 %

Kurz darauf kam Jim für die Besprechung der Rechnung bei uns vorbei. «Mehrarbeiten Interieur»: 100 % über Budget. Echt wahr. 100 %.

Mit Jim konnten wir nur besprechen, dass uns keine «Mehrarbeiten» offeriert wurden, wir keine «Mehrarbeiten» bestellt haben und somit unseres Erachtens auch keine «Mehrarbeiten» – und schon gar nicht pauschal – verrechnet werden können.

«Die-sich-von-Cornelissen-geschädigt-Fühlenden» tauschen sich mittlerweile untereinander aus. Deshalb wissen wir, dass diese Verrechnung von pauschalen Mehrarbeiten das letzte Mal im Sommer 2018 von einem Gericht abgelehnt wurde.

In der Zwischenzeit hat Cornelissen gegen das Urteil vom 19. August Berufung eingelegt. 

Wahrscheinlich werden wir ihn irgendwann im Oktober oder November wieder vor Gericht treffen. Es ist müssig darüber zu spekulieren, warum die Werft das Boot nicht einfach vollendet und zu Wasser lässt. Unser Experte könnte es anschliessend prüfen, wir die vertraglich vereinbarte letzte Rate zahlen und von dannen ziehen. 

Zu rational gedacht?